Sie ist die im Westen bekannteste praktizierte Form der Chinesischen Medizin.
Sie konnte sich wegen der relativ einfachen Anwendung und großen Effektivität
schnell durchsetzten, vor allem in der Schmerztherapie.
Während einer Akupunkturbehandlung, bei der die zu behandelnde Person meistens
liegt, werden einige sterile Einmalnadeln gesetzt, die 20-30 Minuten in den Punkten
verbleiben und je nach Indikationsstellung stimuliert werden.
Zu unterscheiden ist allerdings, ob die Akupunktur rein symptomatisch angewendet
wird - bei Kopfschmerzen nimmt man zum Beispiel einfach die 3 bis 5 standarisierten
Punkte - oder ob sie eingebunden ist in das chinesische Medizinsystem. Das bedeutet
dann eine genaue Differenzierung der Kopfschmerzen, die in diesem Fall nicht
die Diagnose, sondern ein bloßes Symptom des Gesamtkrankheitsbildes darstellen.
Es muss eine Diagnose im Sinne der chinesischen Medizin gestellt werden, um daraufhin
entsprechend zu behandeln. Diese Art der Akupunktur kann nicht in einigen Wochenendkursen
erlernt werden, sondern erfordert eine mehrjährige Ausbildung.
Die Akupunkturpunkte sind mehrere hundert kleine Energiezentren, in denen sich
das Qi, unsere Lebensenergie, sammelt. Sie liegen auf den Leitbahnen, in denen
diese Energie fließt. Bei Erkrankungen kommt es zur Stockung des Qi. Es
wird in seiner energiebringenden Eigenschaft eingeschränkt, und es entstehen
Schmerzen, in schlimmeren Fällen auch Taubheitsgefühle.
Die Stockung des Qi wird begünstigt durch Kälte, ungünstige Ernährung,
Umwelteinflüsse, emotionale Unausgeglichenheit, Stress, einseitige Belastung,
zu wenig oder zuviel Bewegung und eingeschränkte Atmung. Die Stimulierung
der Punkte mit sehr feinen Nadeln kann die stockende Energie wieder zum Fließen
bringen. Bei der Stimulation kommt es zu einer so genannten Nadelsensation, die
sich in Kribbeln, Ziehen, Druckgefühl oder auch Wärme äußern
kann. Dieses Gefühl ist ein Zeichen dafür, dass die Energie wieder
ins Fließen kommt. Dabei kann es vor allem während der ersten Behandlung
zu heftigen Reaktionen kommen wie Zittern, Schweißausbrüche oder Weinen,
da der Körper durch das plötzliche Fließen der Energie irritiert
ist. Oft wird diese Reaktion zunächst als erschreckend empfunden, doch schon
bald folgt die Erleichterung, da sich dadurch die Spannung löst. In den
folgenden Behandlungen ist die Intensität meist nicht mehr so stark, da
der Körper das Fließen der Energie wiedererkennt.
Während des Heilungsprozesses muß der Körper wieder lernen, die
Energie frei fließen zu lassen. Darum hält die Wirkung der ersten
Akupunkturbehandlung oft nur ein bis zwei Tage an. Danach gewöhnt sich der
Körper an das Fließen und erinnert sich sozusagen, wie es eigentlich
sein sollte. Besteht eine Krankheit schon sehr lange, können Schmerzen durch
die ersten Behandlungen wieder auftreten, so als würde etwas Eingefrorenes
erst wieder auftauen müssen, um dann ganz nachzulassen. Während der
Behandlung kommt es oft zu einem tiefen Ruhezustand.
Nach den Akupunkturbehandlungen sind die Patienten meist angenehm entspannt und
können dadurch einen neuen Energieschub bekommen. Häufig haben die
Patienten auch ein starkes Schlafbedürfnis, dem sie unbedingt nachgehen
sollten. Manchmal kommt es auch zur erhöhten Urinausscheidung, was ein Zeichen
für gelöste Giftstoffe ist. Deshalb ist es gut, nach der Behandlung
viel warmes Wasser zu trinken. Akupunktur eignet sich unter anderem gut bei Immunschwäche,
häufigen Erkältungen, Magen- und Verdauungsbeschwerden, Kopfschmerzen,
Schwindel, Durchblutungsstörungen, Rückenschmerzen, Lumbalgie, Schulter-Arm-Syndrom,
Asthma bronchiale und Hautproblemen.