Sie ist einer der wesentlichsten Aspekte der traditionellen chinesischen Medizin. Viele heute noch gültige Rezepte stammen aus der Zeit unmittelbar nach Christi Geburt, wenn auch die Entwicklung der Arzneimittellehre bis heute anhält und in die neuere Literatur mit einfließt. Die Rezepte bestehen in der Regel aus mehreren Einzelsubstanzen. So individuell wie der Mensch verstanden werden muss, so werden ihm auch seine Arzneien gegeben. Die einzelnen Substanzen haben ganz individuelle Qualitäten und entfalten besondere Eigenschaften in der Wechselwirkung mit anderen Bestandteilen der Rezeptur. Sie verstärken sich gegenseitig, korrigieren sich und leiten ihre Wirkung zu den gewünschten Organen. Für jeden erkrankten Menschen wird ein ganz individuelles Rezept erstellt, das aber in seiner Grundstruktur schon 2000 Jahre alt sein kann und sich über viele Generationen bewährt hat.

Die in den Kräutern enthaltenen Wirkstoffe gleichen nicht nur Mangelzustände aus, sondern helfen dem Körper auch, Giftstoffe und Stoffwechselschlacken abzutransportieren. Zugleich wird das Immunsystem durch die Kräuter gestützt. Bei einigen Krankheiten müssen neben Kräutern auch andere Arzneien gegeben werden, wie zum Beispiel Muschelschalen oder Mineralien, die Eigenschaften besitzen, die in Pflanzen nicht zu finden sind.

Die Kräuter werden zu einer Art Tee abgekocht. Dieser so genannte Dekokt ist die verbreitetste Zubereitung der Arzneimittel. Weitere Darreichungsformen sind Tabletten oder Granulate, die wie Instant–Tee aufgebrüht werden. Es gibt auch Fertigpräparate, die aber in ihrer Wirksamkeit abgeschwächt sind, weil sie in ihrer Dosierung nicht dem individuellen Bedarf der erkrankten Person angepasst werden können.