Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) ist eine Medizin, die auf eine andere
Weise
mit
den Menschen und mit seinen Krankheiten umgeht, als wir es von der westlichen
Medizin her gewohnt sind.
Einer ihrer wesentlichsten Aspekte ist die ganzheitliche Betrachtungsweise des
Menschen. Er wird als komplexe Einheit wahrgenommen, die sich aus jeweils gegenpoligen
Elementen zusammensetzt, die sich zugleich ergänzen und unterstützen: Yin
und
Yang.
Nach Ansicht der TCM bestehen sowohl zwischen den inneren Organen als auch zwischen
den Sinnesorganen sowie den Körpergeweben wie Muskeln und Knochen enge Wechselbeziehungen.
Jedes Organ bzw. jede Organgruppe ist für bestimmte Funktionen zuständig,
gleichzeitig
unterstützen diese sich aber auch gegenseitig in der Wahrung ihrer jeweiligen
Aufgaben.
Durch diese komplexen Wechselbeziehungen herrscht im menschlichen Organismus
ein gewisses Gleichgewicht zwischen Förderung und Einschränkung. Gerät
dieses Gleichgewicht ins Wanken, leidet nicht nur ein einziges Organ, sondern
eines oder mehrere andere Organe können in Mitleidenschaft gezogen werden.
Darum wird in der Untersuchung, Diagnostik und Therapie eine zusammenfassende
Analyse des gesamten Organismus durchgeführt. Die körperlichen Erkrankungen
werden mehr als Symptom betrachtet und nicht als die eigentliche Ursache.
In die Lehren der TCM flossen auch die philosophischen Anschauungen des
Daoismus ein, der das Leben des Menschen im Einklang mit dem Leben der Natur
sieht.
Die chinesische Medizin ist darum der Ansicht, daß der Mensch mit seiner
natürlichen und psychosozialen Umwelt in einer engen Beziehung steht und
dass die unterschiedliche klimatische, geographische oder psychosoziale Umgebung
die Menschen und ihre Erkrankungen prägt. Jede Veränderung der persönlichen
Umwelt wird vom Menschen registriert und beeinflusst ihn. Normalerweise gelingt
es ihm, sich diesen Veränderungen anzupassen. Hält die Belastung jedoch
länger an oder ist sehr stark, kann die Grenze seiner Anpassungsfähigkeit überschritten
werden und zu einer ernsten Erkrankung führen.
Dieser Ansatz wird als Teil der ganzheitlichen Betrachtungsweise in die Untersuchung,
Diagnostik und Therapie einbezogen.
Auch die anatomische Vorstellung vom menschlichen Körper ist anders als
im Westen. Die Chinesische Medizin baut darauf auf, dass den menschlichen Körper
zwölf Hauptleitbahnen, die Meridiane, und etliche Nebenleitbahnen durchziehen.
Die Leitbahnen sind die Haupttransportwege des Qi, das als Lebensenergie betrachtet
wird und das über die Meridiane alle Bereiche des Körpers versorgt.
Krankheit ist ein Ungleichgewicht des uns durchströmenden Qi. Eine Störung
des Gleichgewichts kann durch äußere Faktoren wie Ernährung,
Umwelteinflüsse und Wetter verursacht werden. Aber auch emotionale Unausgeglichenheit,
Stress, einseitige Belastungen und zuviel oder zuwenig körperliche Betätigung
wirken auf die Energie ein. Durch Veränderung des Gleichgewichts kann es
zu einer Unter- oder Überversorgung und zu Stauungen kommen, was sich in
Schmerzen und Krankheiten äußert.
Aus der Erkenntnis heraus, dass man durch maßvolles Verhalten gesundheitsschädigenden
Einflüssen entgegenwirken kann, wird in der chinesischen Medizin viel Wert
auf Vorbeugung gelegt. Die Menschen werden angehalten, sich den natürlichen
Umweltbedingungen anzupassen, die körpereigene Widerstandskraft zu stärken
und mögliche Krankheitsursachen zu meiden. In China bezeichnet man das als "Gesundheitspflege".
Sie umfasst vier Aspekte: 1. psychisches Gleichgewicht 2. körperliches Training
3. geregeltes Alltagsleben und gesunde Ernährung und 4. frühzeitige
Krankheitsbehandlung.